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Blickwinkel – Inklusion macht Schule

„Blickwinkel – Inklusion macht Schule“

Offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“

Das Projekt Blickwinkel ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung WaldWelten mit der Nordend-Schule Eberswalde und weiteren lokalen Akteuren, wie der Stadt Eberswalde und der Karl Sellheim Schule Eberswalde.

Ziel des Projektes „Blickwinkel“ ist es, den Brückenschlag zwischen Lernbehinderten und nicht lernbehinderten Kindern in einem natürlichen Lernumfeld zu schaffen. Das Projekt orientiert sich dabei hauptsächlich an den Zielen der Bildung für nachhaltige Entwicklung und verbindet dieses Konzept mit der Einführung inklusiver Schulbildung im Land Brandenburg.

Herzstück des Projektes ist ein schulnahes Waldgelände, welches die Stadt Eberswalde dankenswerter Weise für das Bildungsprojekt als „Lernort Wald“ zur Verfügung stellt. Der Unterricht im „grünen Klassenzimmer“ soll den Kindern auf spielerische Weise neue Perspektiven und Blickwinkel auf sich, auf Andere und das Ökosystem Wald ermöglichen. Das pädagogische Konzept betrachtet den Aufbau einer von Liebe und Respekt geprägten Beziehung zur Natur als Basis für den Erwerb von ökologischem Wissen und als Motivation zu nachhaltigem Handeln.

Das bewusste Erleben der eigenen Sinne im Einklang mit der natürlichen Umwelt eröffnet Lernpotentiale, die über die üblichen Lehrformen im Klassenzimmer oft nicht erreichbar sind. Dadurch ändert sich der „Blickwinkel“ auf „Lernbehinderung“ und schafft den notwendigen Raum für eine inklusive Begegnung von Förderschulkindern und Grundschulkindern auf Augenhöhe.

Die beiden Säulen des Projektes sind Inklusion und der Erwerb von Kompetenzen im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung:

Inklusion bedeutet, allen Menschen die gleiche soziale Teilhabe und den gleichen Zugang zu allgemeinen Bildungseinrichtungen zu ermöglichen. In unserem Projekt bedeutet das, lernbehinderte und nicht lernbehinderte Kinder gemeinsam zu unterrichten.

Nach dem Modell von Prof. Dr. Gerhard de Haan, Erziehungswissenschaftler und Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees für die Dekade „Bildung für nachaltige Entwicklung“, wird das Erlernen von Gestaltungskompetenzen für die Grundschule in acht Teilkompetenzen untergliedert. Das Projekt „Blickwinkel“ möchte diese acht Teilkompetenzen durch folgende Maßnahmen inklusiv umsetzen:

1. Maßnahme zur Bildung der Teilkompetenz „Vorausschauendes Denken“:

Auf dem bestehenden Waldgelände werden keine fertigen Spielgeräte angeboten. Die Schülerinnen und Schüler sollen Spielmaterialien selbst sammeln oder Basteln. Naturmaterialien dienen als Ausgangsstoffe. Die Kinder können vor Ort erleben, das Ressourcen begrenzt sind. Durch angeleitete Phantasiereisen in die Vergangenheit und Zukunft des Waldgeländes oder Denkspiele, „was wäre wenn...“, können die Kinder Perspektivwechsel vornehmen, eigene Zukunftswünsche  und Vorstellungen entwickeln und in Zeichnungen oder Collagen ausdrücken.

2. Maßnahme zur Bildung der Teilkompetenz „Weltoffene Wahrnehmung“:

Bei Rollenspielen, zum Beispiel „Handelskarawane“, sollen die Schülerinnen und Schüler lokale, nationale und globale Bedeutung des eigenen Handelns in einer vielfach vernetzten Welt kennen lernen und reflektieren. Die Neugier und das Interesse der Kinder etwas über die Natur- und Lebensverhältnisse in anderen Regionen und Erdteilen zu erfahren soll durch geeignete Spiele und eigene Recherchen angeregt werden. Zur weltoffenen Wahrnehmung gehört auch die unterschiedliche Realität von behinderten und nicht behinderten Kindern. Auch hier kommt es auf den Blickwinkel an.

3. Maßnahme zur Bildung der Teilkompetenz „Interdisziplinär Arbeiten“:

Im „grünen Klassenzimmer“ Wald wird das eigene Entdecken und selbständige aufwerfen von Fragen nach Zusammenhängen und Problemlösungen gefördert. Der Wald ist ein idealer Ort um die Themen Biologische Vielfalt und Klimawandel mit den Kindern zu erarbeiten Dazu kommt die Möglichkeit für die Kinder eigene Projekte umzusetzen, zum Beispiel durch den Bau von Hütten oder dem Gestalten von Kunstwerken aus Naturmaterialien.

4. Maßnahme zur Bildung der Teilkompetenz „Kommunikation und Kooperation“:

Kommunikation und Kooperation spielen beim Projekt „Blickwinkel“ eine zentrale Rolle. Sie sind Voraussetzung für das Gelingen von Waldpädagogik und Inklusion an einem Ort. Dazu bilden Übungen zur Teambildung und gemeinsame Rituale, wie die Schaffung eines Sitzkreises aus Zweigen und Ästen, neben dem Lernort Wald die Grundvoraussetzung. Die Kinder sollen dabei Teamarbeit lernen, Konflikte beim Namen nennen können und Lösungen selbst entwickeln. Kompromissfähigkeit gehört dazu.

5. Maßnahme zur Bildung der Teilkompetenz „Planen und Agieren“:

Bei allen Aktivitäten im Wald werden die Kinder aktiv in die Planung und Umsetzung eingebunden. Die Kinder übernehmen dabei Schritt für Schritt eigene Verantwortung, lernen Ziele selbst zu definieren und erproben die Umsetzung. Dabei lernen die Kinder den Umgang mit Erfolgen und Misserfolgen gleichermaßen. Das Projekt „Blickwinkel“ ermöglicht den Kindern in der Natur und mit der Natur selbst tätig zu werden und sie erhalten dabei die Zeit, um eigene Erfahrungen über einen langen Zeitraum zu sammeln. Die Kinder können „Expeditionen“ in die angrenzenden Waldgebiete machen und das Ökosystem Wald erforschen.

6. Maßnahme zur Bildung der Teilkompetenz „Gerecht und solidarisch sein“:

Beim Projekt „Blickwinkel“ treffen lernbehinderte und nicht lernbehinderte Kinder regelmäßig aufeinander und können sich über einen langen Zeitraum kennenlernen. Dabei wird auf dem Waldgelände durch gemeinsame Aktivitäten das Wir-Gefühl gestärkt. Umweltbildungsmaterialien, wie Schäufelchen, Kescher oder Becherlupen sind bewusst nicht für jedes Kind gleichzeitig verfügbar. Die Erfahrung zu Teilen ist ein erster Schritt in Richtung Empathie. Durch partnerschaftliches Verhalten und sich gegenseitig Helfen erlernen die Kinder Empathie, Solidarität, Gerechtigkeit und Gemeinschaftsgefühl.

7. Maßnahme zur Bildung der Teilkompetenz „Motivation und motivieren können“:

Durch die Bewältigung von Gemeinschaftsaufgaben oder die Erfüllung von Aufgaben in Kleingruppen für ein großes Ganzes lernen sich die Kinder gegenseitig zu motivieren. Dazu veranstalten die Kinder Ausstellungen mit selbstgebastelten Kunstwerken. Die Projekterfolge der Kinder werden gefeiert. Es soll auch gemeinsame Waldfeste mit den Eltern geben.

8. Maßnahme zur Bildung der Teilkompetenz „Lebensstil und Weltbilder reflektieren“:

Beim Projekt „Blickwinkel“ treffen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründen und Fähigkeiten aufeinander.

Im August 2012 startete das Projekt „Blickwinkel“ mit einer Waldwoche für die Klasse 3a der Nordend-Schule im Stadtforst von Eberswalde. Es stellte sich schnell heraus, dass der Wald mit seiner Vielfalt und seinen natürlichen Ressourcen, den Blickwinkel auf „Lernbehinderung“ ändert und bisher im Unterricht unentdeckte Potentiale bei den Schülern freisetzt.

Das Projekt teilt sich in drei Phasen:

Phase I (Pilotphase): Die erste Phase fand im zeitraum von August 2012 bis Dezember 2012 statt.  Dabei wurde ein geeignetes Waldstück in Schuklnähe für die erste teilnehmende Förderschulklasse gesucht und Dank der Forstverwaltung von Eberswalde gefunden. Erste Erfahrungen mit der Förderschulklasse wurden gesammelt. Die Klasse 3a der Nordend-Schule hatte mit Begleitung der Lehrkräfte und der Naturpädagoginnen der Stiftung WaldWelten zweimal im Monat für einen Vormittag Unterricht im Wald.

Phase II (Erprobungsphase): ab Frühjahr 2013 sollen nun Schülerinnen und Schüler der Nordend-Schule und der Karl-Sellheim-Grundschule gemeinsam ökologische und soziale Kompetenzen erlernen. Die Klasse 3a der Nordend-Schule wird mit einem Frühlingsfest im Wald ihr Waldklassenzimmer für die Grundschulklasse eröffnen. Ab dann werden beide Klassen zweimal monatlich für einen Vormittag gemeinsamen Unterricht im Wald haben. Über die Geschehnisse im Projekt wird durch einen Blog im Internet für die Öffentlichkeit berichtet. Phase I und II sollen von einer Evaluation begleitet und dokumentiert werden.

Phase III (Implementierungsphase): ab 2014 soll es dauerhaft ein Waldgelände für nachhaltiges Lernen und die Inklusion als Bildungsauftrag geben. Andere Förderschulen und Grundschulen sollen zur Schaffung ähnlicher, inklusiver Lernorte im Wald angeregt werden und können von den gesammelten Erfahrungen profitieren.

Nachhaltigkeit lernen - Die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Hintergrundinfo zum BNE-Projekt „Blickwinkel“

Das Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, kurz BNE, vermittelt Kindern und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Denn wir alle müssen lernen, dass unser Handeln hier und heute Einfluss auf das Leben der Kinder- und Enkelgenerationen hat - nicht nur vor Ort, sondern auch in anderen Weltregionen. Bildung für nachhaltige Entwicklung  schärft das Bewusstsein dafür und gibt uns Handlungsmodelle mit auf den Weg, damit wir sinnvolle Entscheidungen für die Zukunft treffen und drängende Probleme wie etwa den Klimawandel gemeinsam lösen und unser Konsumverhalten im Sinne einer sozialen Verträglichkeit anpassen können. Wo kaufe ich Kleidung, ohne die Ausbeutung in Asien oder Afrika zu unterstützen? Wie fördern wir wirtschaftlichen Fortschritt, ohne die Umwelt zu zerstören? Das sind nur zwei der vielen Fragen, die Bildung für nachhaltige Entwicklung zu beantworten versucht.

„Nachhaltigkeit lernen muss in Schule, Ausbildung und Studium selbstverständlich werden. Nur so können künftige Generationen globale Probleme wie den Klimawandel oder ungerechte Verteilung von Ressourcen bewältigen", so Prof. Gerhard de Haan, Erziehungswissenschaftler und Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Über 1.700 beispielhafte Projekte und Kommunen
Die Deutsche UNESCO-Kommission zeichnet Projekte und Kommunen für herausragendes Engagement im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung aus. Mehr als 1.700 solcher Dekade-Projekte und 16 Kommunen in ganz Deutschland zeigen, wie die Idee „Nachhaltigkeit lernen“ in der Praxis funktioniert, und tragen sie in Regionen, Städte und Dörfer. Bisher wurden Aalen, Alheim, Bad Honnef, Bonn, Dornstadt, Dresden, Erfurt, Frankfurt a.M., Freiburg, Gelsenkirchen, Hamburg, Hellenthal, Heidelberg, Minden, München und Neumarkt i. d. Oberpfalz ausgezeichnet.

Die UN-Dekade in Deutschland
Mit der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (2005-2014) haben sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verpflichtet, das entsprechende Bildungskonzept zu stärken. Und zwar vom Kindergarten bis zur Hochschule ebenso wie im außerschulischen Bereich und beim informellen Lernen. Auf Grundlage eines einstimmigen Bundestagsbeschlusses koordiniert die Deutsche UNESCO- Kommission die deutschen Aktivitäten zur UN-Dekade. Sie hat ein Nationalkomitee berufen und mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Regierungen, Bildungseinrichtungen, Nicht-Regierungsorganisationen, Unternehmen, Stiftungen und Einzelpersonen engagieren sich bei der Umsetzung der Dekade und machen Menschen fit für die Zukunft.


Mehr Informationen und Hintergründe über die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ erhalten Sie unter www.bne-portal.de als auch auf dem Blickwinkel-Blog www.blickwinkelkids.wordpress.com oder direkt bei der Arbeitsstelle UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, Arnimallee 9 in 14195 Berlin, arbeitsstelle@esd.unesco.de .

 

Das Projekt wurde 2014 - 2016 aus Mitteln der Stiftung "Großes Waisenhaus zu Potsdam" gefördert.

 

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Publikation „Blickwinkel – Inklusion macht Schule“ (PDF)

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